Manifest gegen Rabats langem Arm!

Bild von Mohand Abttoy gezeichnet

Unterzeichner des Manifests sind Laila Ezzeroili (Publizistin), Asis Aynan (Schriftsteller), Mohand Abttoy (Künstler), Abdelhafid Akallouch (Journalist), Abdel Talhi (Lehrer), Fati Benkaddour (Trainerin), Ouidad Batou (Studentin), Esma Tannaoui (Regierungspraktikantin), Nadia Ezzeroili (Journalistin), Abdelghani Ababou (Menschenrechtsverteidiger), Said Bouddouft (aktiv in der marokkanischen Gemeinschaft), Habib el Kaddouri (aktiv in der marokkanischen Gemeinschaft).

Wir, die niederländischen Bürger mit einer zweiten Marokkanischen Nationalität, die wir nicht aus freiem Willen gewählt haben, wenden uns an die niederländische Gesellschaft und die niederländische Regierung, um uns von der Angst und der eingeschränkten Freiheit zu befreien, die untrennbar mit dieser zweiten Nationalität verbunden ist.

Nach 50 Jahren in den Niederlanden wollen wir die volle niederländische Staatsbürgerschaft, in den Niederlanden und im Ausland. Wir wollen frei entscheiden können, ob wir die doppelte Staatsbürgerschaft haben oder nicht, und nicht von einer ausländischen Macht gezwungen werden, ein lebenslanger Staatsbürger eines Staates zu sein, mit dem wir keine Beziehungen unterhalten wollen und der zudem seit 50 Jahren unsere Sicherheit und Freiheit in den Niederlanden strukturell bedroht.

Wir fühlen Verbundenheit und Solidarität mit den Menschen, mit unseren Familienangehörigen. Nicht mit dem Regime und seinen Komplizen. Es sind jedoch letztere, die mit uns Beziehungen knüpfen und/oder erzwingen wollen.

Nach der endgültigen Ansiedlung und Familienzusammenführung marokkanischer Arbeitsmigranten in den Niederlanden ließ Marokko die Auswanderer nicht los. Im Gegenteil, Marokko hat seinen Einfluss auf die Marokkaner im Ausland nur verstärkt.

Seit den 1970er Jahren hat Marokko in den Niederlanden eine Reihe von staatlichen Institutionen eingerichtet, um Marokkaner auszuspionieren, einzuschüchtern, zu verführen, zu rekrutieren und zu korrumpieren. Einige Beispiele: die Amicales, der Beirat von König Mohammed VI. (CCME), das Ministerium für „Marokkaner im Ausland“, die Fondation Hassan II für Marokkaner im Ausland, der Europäische Rat für marokkanische Wissenschaftler, das Fernsehprogramm MRE24. Und das alles neben einer sehr aktiven Botschaft und nicht weniger als vier marokkanischen Konsulaten. Mit dem ultimativen Ziel: Macht und Einfluss in Europa zu erlangen und einen konstanten Geldfluss aus Europa zu sichern. Zum einen durch Transfers von niederländischen Staatsangehörigen marokkanischer Nationalität, zum anderen durch niederländische und europäische Investitions- und Entwicklungsfonds und lukrative, bilaterale Verträge.

Marokko braucht seine „Untertanen“, um den Weg zu ebnen und die Türen niederländischer Institutionen zu öffnen. In den Niederlanden hat Marokko nun eine starke Lobby mobilisiert und der marokkanische Staat hat Zugang zu politischen Parteien, dem Parlament, der Regierung, den Ministerien, den lokalen Behörden, der Polizei, den Medien, den Moscheen und der Fußballwelt.

Marokko geht immer wieder mit neuen Strategien auf die Diaspora zu. Sie antizipiert geschickt die Verwundbarkeit von Niederländern mit marokkanischer Staatsangehörigkeit. Junge, sozial erfolgreiche Niederländer mit marokkanischen (Groß-) Eltern sind zu Reisen, Podiumsdiskussionen, Symposien und Kongressen eingeladen. Es wird kein Aufwand gescheut, um diese jungen Leute zu verführen. Marokko präsentiert sich immer als eine warme Heimat, die im Gegensatz zu den Niederlanden liebt, respektiert und umschließt. Das ist die konsequente Botschaft dieser Art von Treffen.

Ältere, weniger naive Niederländer mit marokkanischer Staatsangehörigkeit werden mit Sponsorengeldern, persönlichen Privilegien, Geschäftsmöglichkeiten und wichtigen (politischen) Positionen in den Niederlanden und Marokko in Versuchung geführt.

Auf diese Weise sichert sich Marokko die Loyalität und Bereitschaft seiner Staatsangehörigen und damit die Kontinuität seines Einflusses in den Niederlanden und in Europa.

„Staatsangehörige“ sollten es jedoch nicht wagen, das Image eines demokratischen, liberalen Marokkos in Frage zu stellen, in dem das Leben für Unternehmen und Touristen gut ist, die Wirtschaft floriert, afrikanische Migranten aufgehalten und versorgt werden und der „marokkanische Islam“ die Radikalisierung rückgängig macht.

Der marokkanische Staat und die marokkanische Elite haben zu viel zu verlieren und tun daher alles, um diese „Untertanen“ so zu kontrollieren und einzuschüchtern, dass sie aus Angst schweigen. Zu diesem Zweck unterhält Marokko zusätzlich zu den staatlichen Nachrichtendiensten auch ein Netzwerk von Online- und Offline privaten Bürgerspionen.

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