Marokkanischer Islam im Dienste von Rabats langem Arm

Die Delegation der Marokkanischen Imams in den Niederlanden. Bild von Hassan Wali

Der Ramadan hat begonnen. Für viele Muslime ein Monat der Spiritualität und Reflexion. Auch für die europäischen Muslime.

Für die marokkanische Regierung jedoch ein Monat der Propaganda und Einmischung auf religiöser Basis. Rabat schickt wieder Imame hierher. Am Vorabend des Ramadans kamen 800 Imame und weibliche religiöse Predigerinnen in verschiedenen europäischen Ländern an. Die Niederlande erhielten 58 Imame und Predigerinnen vom marokkanischen Ministerium für religiöse Angelegenheiten und der Hassan II-Stiftung. Und es ist nicht nur der Monat des Fastens. Sie kommen auch zu anderen Zeiten. Die Entsendung marokkanischer Imame dauert seit mehr als 30 Jahren an. Ihre Zahl wächst stetig. Im Jahr 2016 wurden 310 Imame und Minister eingeflogen. Im Jahr 2017 waren es 384. Nicht unwichtig ist die zunehmende Rolle der Predigerinnen.

Imame als Sprachrohr von Rabat

Auf Social Media gibt es viel Aufhebens um die Ankunft der Imame. Einige beschweren sich über diese Import-Imame. Der Bankrott einer Imamausbildung hier – die seit mehr als 15 Jahren andauert – wird vorgeworfen. Diese Kritik ist auch in Belgien zu hören. Darüber hinaus sehen die Rif-Niederländer, die an der Hirak Protestbewegung beteiligt sind, aber auch andere kritische Marokkaner durch den Besuch der Imame, einen weiteren Beweis für den langen Arm Rabats. Einige fordern den Boykott von Moscheen, in denen diese Makhzen-Imame predigen werden.

In den letzten Jahren hat sich auch in Marokko der Charakter der Missionstätigkeit der Imame verändert. Dies passt in die religiöse Diplomatie Marokkos. Mit der Gründung des Marokkanischen Rates in Brüssel wurden auch für die marokkanischen Untertanen in der Diaspora neue Akzente gesetzt.

Der marokkanische Islam als Synonym für Frieden, Koexistenz und Toleranz wird aktiv gefördert. Reaktion auf die Angst in Europa Auch bei der Ankunft dieser Imame in Europa ist ein verändertes Muster zu beobachten. Wo anfangs die Angst war, nicht zuzugeben, dass es sich um eine Initiative von Rabat handelte – es gab Gründe wie die Notwendigkeit gut qualifizierter Imame aus Marokko, spirituelle Anleitung, Mangel an Imamen während des arbeitsreichen Monats usw. – sendet Rabat nun offen und selbstbewusst die Imame aus.

Bei der Begrüßung von 81 Predigern in Belgien unterstrich der marokkanische Botschafter in Brüssel die Vertiefung, die die Imame dem Band zwischen der marokkanischen Gemeinschaft und ihrem Mutterland verleihen. Den ganzen Monat über werden die eingeflogenen Imame auf den marokkanischen „gemäßigten“ Islam hinweisen. Auch der „heilige Status“ des marokkanischen Königs wird implizit hervorgehoben. Als „Nachkomme“ des Propheten wird Mohamed VI. in der Verfassung als „Führer der Gläubigen“ erwähnt.

Europäische Bürger mit marokkanischem Hintergrund, die Rabat als ewige Untertannen betrachtet, gilt es zu binden. Während der Imam-Tour werden viele Gläubige an ihre Loyalität und Zugehörigkeit zu Marokko und dem König erinnert. Marokko ist sogar explizit auf das Ziel ausgerichtet, nämlich die Begleitung und Unterstützung der marokkanischen Diaspora nach Angaben der marokkanischen Religionsschule. Das marokkanische Ministerium für religiöse Angelegenheiten erklärt, dass der Zweck des Besuchs der Imame darin besteht, „marokkanische Moscheen vor Extremismus und Radikalisierung zu schützen“, obwohl es wenig über die Wirksamkeit dieser Besuche zu berichten gibt. Mit dieser Botschaft versucht Marokko, die europäischen Regierungen zu beruhigen. Die Geschichte des gemäßigten Islam ist angesichts des wachsenden islamischen Extremismus ein willkommenes Plädoyer für die Europäer.

Interferenz als religiöse Mission verpackt

Der marokkanische Islam in den Schaufenster zu stellen, ist eine effektive Strategie der Imagebildung. Sogar der Papst, der vor kurzem in Marokko war, wurde dazu gezwungen, während es den Christen verboten ist, dort missionarisch tätig zu sein. Damit reagiert das nordafrikanische Land geschickt auf die Angriffe in Europa. Durch die intensive Zusammenarbeit mit den europäischen Geheimdiensten zur Aufspürung terroristischer Täter und das Eindringen marokkanischer Geheimdienste in radikale Netzwerke gewinnt Rabat noch mehr Macht und Position. Wenn Sie aber weiter schauen, werden Sie natürlich sehen, wie die marokkanischen Imame einem anderen Zweck dienen. Es bewahrt Rabats Einfluss und Einmischung auf die Marokkaner im Ausland und stärkt ihre Loyalität zu Rabat. Damit will Marokko einerseits kritische und freie Stimmen übertölpeln und andererseits die Milliarden an Finanztransfers sichern. Die Lobbyarbeit europäischer Politiker in entscheidenden Fragen, die Marokko betreffen, ist in dieser Hinsicht nicht unwichtig.

Wegen der Belagerung des Rifs und der Repressionen gegen die friedlichen Hirak-Demonstranten sehen die vielen niederländische Rifis, die sich im Hirak engagieren, die Ankunft der Imame als Beweis für Rabats langen Arm, um insbesondere die Rifis der Diaspora wieder im Griff zu bekommen.

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